Schloss RafensteinRuine GreifensteinGeschichte und Archäologie

des Spätmittelalters

im Alttiroler Raum


Diese wissenschaftliche Seite bietet Informationen zum späten Mittelalter, insbesondere dem 14. und 15. Jahrhundert aus Nord-, Süd- und Osttirol sowie dem Trentino.
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Das Spätmittelalter als historische Epoche

In der Mediävistik wird mit dem Begriff Spätmittelalter jener zeitliche Abschnitt des Mittelalters bezeichnet, der den Übergang zur Neuzeit markiert. Er ist gekennzeichnet durch einen Wandel, der schließlich zur Ablöse der hochmittelalterlichen Gesellschaft durch neue Vorstellungen führte. Überregionale Ereignisse wie der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, die große Pest, das Schisma der katholischen Kirche, neue Ideen und Vorstellungen durch die italienische Renaissance bestimmten diesen Wandel, der zeitlich verschoben, schließlich das gesamte Abendland erfasste. Im Weste und insbesondere im Süden begannen diese Veränderungen früher als im Norden und Osten.Schloss RunkelsteinFür den Alttiroler Raum, der ein wichtiges geografisches Bindeglied zwischen dem italienischen Raum und dem Heiligen Römischen Reich, aber auch von der Eidgenossenschaft im Westen zu den habsburgischen Gebieten im Osten darstellte, war das Spätmittelalter ein bewegter und einschneidender Zeitabschnitt. Am Ende der Regierungszeit Graf Meinhards II. von Tirol Görz (1259-1295) hatte sich im „Land an der Etsch und im Inntal“, hauptsächlich auf Kosten der geistlichen Fürstentümer Brixen und Trient, die „Grafschaft und Herrschaft Tirol“ herausgebildet, in der Meinhard eine effiziente Verwaltung installiert hatte.
1363 übergab Gräfin Margarethe, genannt die Maultasch, dieses Land an die Habsburger. Tirol war innerhalb der politischen Interessen das Hauses Habsburg eine der wichtigsten Erwerbungen im Versuch die Stammgebiete in der Schweiz mit den österreichischen Ländern zu vereinen. Tirol stand fortan im Spannungsfeld der politischen Ereignisse in Mailand und Venedig, in der Schweiz und der Grafschaft Görz, aber auch Bayerns und Schwabens.
Schloss PersenIn diesem Zusammenhang war die Schlacht von Sempach 1386 für Tirol von entscheidender Bedeutung und bildete den Auftakt für eine Reihe militärischer Ereignisse in die das Land mit seinen Nachbarn verwickelt wurde: 1405-1408 der Krieg mit den Appenzellern, 1413 der Kampf gegen Venedig und 1410 ein Einfall der Bayern ins Unterinntal. In die Regierungszeit Herzog Friedrichs IV. von Habsburg, genannt „mit der leeren Tasche“ fallen schließlich in den Jahren 1407, 1410/11, 1416, 1418, 1423-1427 und 1435 innere Unruhen, die zum Zusammenbruch des Adels und seiner Wertvorstellungen führten und an deren Ende ein erstarktes Landesfürstentum stand. Auf diesem politischen Fundament konnte schließlich Herzog Sigmund der Münzreiche bis zum Ende des 15. Jahrhunderts weiter regieren und das Land in die „Neue Zeit“ führen.
Schloss Runkelstein
Kunsthistorisch war das Spätmittelalter von der Stilrichtung der Gotik geprägt, das alle Bereiche künstlerischen Schaffens umfasste. Die Nähe zur italienischen Renaissance machte sich aber insbesondere in der Wandmalerei bemerkbar. Aus den südlichen Elementen der Malerei in der Nachfolge Giottos und Einflüssen aus Böhmen und Schwaben entwickelte sich noch im 14. Jahrhundert die „Bozner Schule“, die zahlreiche Kunstwerke von überregionaler Bedeutung hinterlassen hat. Auch die Profanmalerei erreichte mit den Fresken von Liechtenberg, Runkelstein, Schloss Moos, Wendelstein und dem Adlerturm in Trient einen ersten Höhepunkt.

 

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