ARCHÄOLOGISCHE FUNDE
Archäologische Funde stellen eine der wichtigsten Quellengruppen für den Archäologen aus dem Spätmittelalter dar. Sie bieten nicht nur Datierungskriterien, sondern sind insbesondere für die Handwerksgeschichte und die Kenntnis der Sachkultur von entscheidender Bedeutung, das sie im Boden konservierte Originale darstellen, welche die Angaben in schriftlichen und bildlichen Quellen um eintscheidende Informationen erweitern.
Die Aufgabe des Archäologen besteht darin diese häufig fragmentierten Sachquellen zu erfassen und in einen kulturhistorischen Kontext einzubinden.

» Armbrust
Die Armbrust wurde als präzise Fernwaffe zur Hauptschusswaffe des Spätmittelalters und wirkte sich besonders auf die Kriegsführung, aber auch auf die Jagd aus.
Nach den erhaltenen Musterungsregister um 1410 war das Görzer Aufgebot der Bürger und Bauern mit Schild, Joppe, Eisenhandschuhen und Eisenhut, sowie Armbrust, Schwert oder Spieß ausgerüstet.
Sie besteht aus einem Bogen, der auf einen Schaft montiert ist. Ein spezieller Rückhalte- und Abzugmechanismus für die Bogensehne ermöglicht es, anders als beim Bogen, die Spannung länger zu halten und dadurch genauer zu zielen.
Ursprünglich bestanden die Bögen der Armbrüste aus Holz, vorzugsweise Eibenholz. Durch das Aufkommen des Hornschicht- und später des Stahlbogens war es zunehmend möglich große Schusskraft auf den Pfeil zu übertragen.
Dieser wurde, im Vergleich zum Pfeil der mit dem Bogen abgeschossen wurde, kürzer und dicker. Die Befiederung diente zur Stabilisierung während des Fluges und bestand aus Spanholz oder Leder, wie erhalten Exemplare aus der Churburg und Schloss Tratzberg belegen.
Der hölzerne Schaft des Armbrustpfeils war mit unterschiedlich schweren Spitzen bewehrt, die überwiegend mit einem Dorn in den Holzschaft eingeschlagen wurden. Um ein Abknicken der Spitze beim Auftreffen auf ein Rüstungsteil zu verhindern, wurden die Bolzenspitzen mit einer Tülle ausgestattet.
Bolzenspitzen aus HocheppanWann dies geschah lässt sich nicht mit Sicherheit festlegen und wird zudem regional unterschiedlich gewesen sein. Allgemein dürfte sich der Übergang zwischen dem 13. und dem 14. Jahrhundert vollzogen haben. Die typologisch ältere Form der Spitze mit Schaftdorn dürfte aber trotzdem nicht verschwunden, sondern, beispielsweise für die Jagd, weiterverwendet worden sein. Diese Schäftungsform lässt sich sich beispielsweise im Fundmaterial aus der Burgruine Greifenstein anführen. In den Ausgrabungen in der Turmruine von Flaschberg konnten Formen mit Schaftdorn in Schichten bis ins 16. Jahrhundert nachgewiesen werden. Im Vergleich zum Stück aus Greifenstein wesendlich schlankere Formen mit gedrückt rhombischem Querschnitt fanden sich in der Burgruine Hocheppan bei Missian, der abgekommenen Burgstelle Schönwerth bei Volders, sowie aus der Ruine Erpfenstein bei Kirchdorf.
Im 15. und 16. Jahrhundert kamen im militärischen Bereich schwerere Spitzen mit Tülle zur Anwendung. Die Geschossspitzen mit Tülle finden sich im Fundmaterial aus verschiedenen Burgen in Nord-, Ost- und Südtirol, sowie dem Trentino etwa aus der wüstgefallenen Burg Schönwerth bei Volders, Schloss Runkelstein bei Bozen, Castel Corona (Nonsberg) oder Castel Corno (Isera/Vallagarina). Allerdings fehlt es im südlichen Tirol an Stücken, die gut datierbaren Befunden zugewiesen werden könnten. Auch der in diesem Zusammenhang umfangreichste Fundbestand, der wohl in den 1880er Jahren aus dem Burghof und dem Burggraben von Schloss Runkelstein geborgen wurde, steht leider ohne jegliche Beobachtung der Fundumstände da. Jüngere Grabungen in Schloss Tirol 1999-2001 und Sigmundskron 2004-2006 haben ebenfalls eine stattliche Anzahl von vergleichbaren Geschossspitzen geliefert, die Bestände sind allerdings noch nicht aufgearbeitet.
Die Spitzen aus Meran in der Sammlung Mazneller reihen sich ebenfalls in diesen Zusammenhang ein. Schlanke Spitzen mit Tülle lassen sich bereits in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts belegen. Sie wurden in Gräbern gefunden, in denen in der Schlacht von Wisby (1361) Gefallene bestattet wurden.
Die Armbrust wurde seit dem 16. Jahrhundert durch die Feuerwaffen aus dem militärischen Bereich verdrängt und blieb eine Zeit lang noch für die Jagd im Gebrauch.