AKTEN


» Akten

Unter Akten werden im allgemeinen schriftliche Zeugnisse verstanden, die keine Urkunden im eigentlichen Sinne sind: Briefe, Rechnungen, Listen und Notizen. Akten stellen neben den Rechnungsbüchern, Urbaren und Urkunden wichtige Quellen der spätmittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte dar.

» Inventare

Innerhalb dieser Quellengruppe sind Inventare von besonderer Bedeutung. Sie wurden bei verschiedenen Anlässen, beispielsweise der Übergabe einer Burg an einen neuen Hauptmann, erstellt und haben sich in beeindruckender Anzahl im Alttiroler Raum erhalten.
Eine Übersicht über den Bestand an mittelalterlichen Inventaren gibt die Arbeit von Oswald von Zingerle aus dem Jahre 1909. Die Bearbeitung erfasst zwar nicht alle erhaltenen Inventare aus dem Spätmittelalter, hat aber ein wertvolles Register mit Sacherklärungen.
Lit.: Oswald v. Zingerle, Mittelalterliche Inventare aus Tirol und Vorarlberg. Mit Sacherklärungen. (Innsbruck 1909).

» Briefe

In den Tiroler Archiven findet sich eine große Anzahl an Briefen. Die spätmittelalterliche Korrespondenz umfasst dabei meist schriftliche Anweisungen an Befehlsempfänger. Besonders aus der Regierungszeit Herzog Friedrichs IV. von Habsburg, genannt Friedl mit der leeren Tasche, haben sich zahlreiche Briefe an Hauptleute und Lehensträger erhalten, die einer „Dienstkorrespondenz“ zugeordnet werden können. Seltener findet sich ganz private Korrespondenz. Im Gegensatz zu den Urkunden haben Briefe ein aufgedrucktes Siegel aus Wachs, das beim öffnen des Briefes zerbrochen wurde.
Im spätmittelalterlichen Sprachgebrauch werden fast alle schriftlichen Zeugnisse, also auch Urkunden, als „prieff“, Notariatsinstrumente als „noderbrieff“ bezeichnet. Urkunden mit angehängten Siegel erscheinen häufig als „offen prieff“, weil es möglich war sie zu öffnen und zu lesen, ohne das Siegel zu zerbrechen.

» Rechnungen

Die zunehmende Schriftlichkeit und Verwaltung im Spätmittelalter bedingt auch einen größeren Bestand an Rechnungen. Es handelt sich dabei meist um die Erfassung von Einnahmen, Ausgaben oder um die Abrechnung von Wirtschaftstätigkeit. Als Beispiel kann die sogenannte „Kellnerrechnung“ von 1410 aus dem Umfeld der Schlandersberger angeführt werden. Auch Hans von Wehrberg, ein niederer Adeliger aus dem Gericht Tisens, der auf der Wehrburg saß, befasste sich seit 1390 intensiv mit Rechnungen. Er führte nämlich für die Brüder Petermann, Veit und Sigmund von Niedertor, Söhne des verstorbenen Arnold von Niedertor die Rechnungsbücher über die Einnahmen und Ausgaben ihrer Besitzungen.

» Listen

Auflistungen von Gütern und Personen wurden im Spätmittelalter zu verschiedenen Zwecken angelegt. Erwähnt werden können dabei die Soldlisten für die Belagerung der Fürstenburg im Vinschgau von 1431 oder die Musterungslisten von Lienz aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts.