URKUNDEN
Urkunden stellen die wichtigsten historischen Quellen für das Spätmittelalter dar. In der Regel handelt es sich um rechtliche oder wirtschaftliche Inhalte, die in den Urkunden überliefert sind. Es finden sich Verkäufe, Verleihungen, Pfandschaften, Testamente und Eheversprechen, Verträge über Mitgift und Morgengabe, Privilegienbestätigungen und Wappenverleihungen als Inhalte dieser Dokumente.
Das Fachgebiet, das sich mit der äußeren und Inneren Form der mittelalterlichen Urkunden beschäftigt, wird Diplomatik genannt und gehört zu den historischen "Hilfswissenschaften". Die spätmittelalterlichen Urkunden entstanden entweder in einer Kanzlei oder durch einen Notar. Entsprechend können im spätmittelalterlichen Tirol folgende Arten von Urkunden unterschieden werden:

Notariatsinstrumente
Das Notariatsinstrument ist ein Dokument, das durch einen Notar, der eine bischöfliche oder kaiserliche Legitimation aufzuweisen hatte, ausgefertigt worden ist. Notariatsinstrumente sind durch das Notariatszeichen gekennzeichnet, das sich häufig am linken oberen Ende der Urkunde befindet. Die Notariatsinstrumente im spätmittelalterlichen Tirol sind in der Regel in Latein geschrieben und beginnen mit dem Datum und der Zeugenreihe. Im spätmittelalterlichen Tirol wurde das Notariatsinstrument als "Noderprief" bezeichnet.

Siegelurkunden
Die Siegelurkunde ist in Tirol im Spätmittelalter bereits überwiegend in deutscher Sprache geschrieben und hat einen klaren Aussteller und einen Empfänger. Die Urkunde beginnt in der Regel mit dem Namen des Ausstellers und endet mit der Zeugereihe, gefolgt von der Datumsangabe. Die Siegelurkunde wurde im Spätmittelalter als "offen prief" bezeichnet, der durch ein oder mehrere "anhangende Insigel", also an Pergamentstreifen oder Seidenschnüren befestigte Siegel aus Wachs, Blei oder anderen Materialien legitimiert wurde.

Briefe
Briefe werden aufgrund ihres Inhaltes oft zu den Urkunden im weitesten Sinne gerechnet. Im Gegensatz zu den Siegelurkunden, die man als "offen prief" bezeichnete, nannte man Briefe "geslossen prief", die durch ein "aufgedrucktes Jnsigel" geschützt waren, welches bei Öffnen in der Regel zerbrochen oder zumindest entfernt wurde.
Briefe wurden üblicherweise nicht auf dem teueren Pergament sondern auf billigerem Papier geschrieben.
Eine Sonderform bildeten sogenannte Kundschaftsbriefe, die oft schriftliche Aussagen von Personen darstellen, die zum Beispiel von Richtern im Vorfeld von Gerichtsverhandlungen aufgenommen wurden. Sie stehen in ihrer Form zwischen der Siegelurkunde und dem Notariatsinstrument, weisen oft aber auch Charakteristiken eines Briefes auf.

SIEGEL


» Siegel HERZOG LEOPOLD IV (1371-1411) (geb. 1371, gest. 3. VI 1411 in Wien) genannt der Dicke. Leopold IV. war der Sohn des in der Schlacht von Sempach 1386 gefallenen Herzog Leopolds III. und der älteste Bruder von Friedrich IV. ("Friedl mit der leeren Tasche"). Zwischen 1396 und 1406 regierte er als Graf von Tirol. Er war verheiratet mit Katharina von Burgund (1378-1425).

 

» Siegel HERZOG ERNST "der Eiserne" (1377-1424) Sohn Leopolds III. von Habsburg und zweitältester Bruder von Herzog Friedrich IV. ("Friedl mit der leeren Tasche"). Ernst war in erster Ehe mit Prinzessin Margarethe (1366-1407) verheiratet, mit der er jedoch keine Kinder hatte. In zweiter Ehe war er verheiratet mit Prinzessin Cymburgis von Masowien (1394-1429). Als sein Bruder Friedrich IV von König Sigismund 1417 mit der Reichsacht belegt worden war, versuchte Ernst zunächst, sich selbst der Gebiete Friedrichs zu bemächtigen, glich sich dann aber mit seinem Bruder aus und verteidigte Tirol gegen die Ansprüche des Königs und nötigte diesen durch seine drohende Haltung zum Verzicht auf die meisten seiner Forderungen.